Sieben Jahre! Manche von euch werden sich vielleicht wundern, wo die Zeit geblieben ist. Wer mich schon länger kennt, dürfte sich dagegen eher fragen, ob ich noch geradeaus rechnen kann. Schließlich schreibe und veröffentliche ich doch schon länger als sieben Jahre.
Oder?
Nun, Zeitrechnung ist ja etwas Individuelles, das zeigt auch die Geschichte. Und vor SIEBEN Jahren wurden aus einer Autorin plötzlich zwei Schriftstellerinnen: die Schwestern Eva und Lucia.
Was war passiert? Bis dahin schrieb ich brav als Eva, mit detailliertem Plot, Handlungsverlauf, Zeitstrahl und Charakterbögen. Und ich schrieb immer so, dass notfalls auch die Schwiegermutter das Ergebnis hätte lesen können. Bloß nicht zu viel Spice, keine allzu tiefen menschlichen Abgründe und so weiter. Ein Wunder, dass es überhaupt Konflikte gab!
Und dann … kam Tosh.
Ich wollte eigentlich nur schnell die Idee zu dieser Geschichte notieren. Ich hatte keine Ahnung, wo das hinführen sollte, aber ich schrieb … und schrieb … und schrieb. Kein Plot. Keine Charakterbögen. Aus Eva wurde mit jedem Wort Lucia. Die, die sich nicht fragte, was die Schwiegermutter denken würde. Die einfach immer weiterschrieb.
Die Überarbeitung war eine Katastrophe. Aber … ich liebe das Buch noch immer. Und es war gut, keinen Plot zu haben, denn hätte ich gewusst, wie es ausgeht, hätte ich gar nicht erst angefangen. Wenn du Tosh kennst, wirst du wissen, was ich meine, wenn nicht: Das Buch ist lesenswert, nur zu!
Seitdem ist viel passiert. Während Eva und Lucia sich eine Zeit lang jeden Sonntag witzige Wortgefechte lieferten, erschienen immer mehr Bücher unter meinem neuen Pseudonym. Mit der Geschichte rund um Jasper und Nathan fand ich endlich das Genre, in dem ich bleiben wollte. Ich lernte, mit Photoshop umzugehen und Cover zu gestalten. Ich durfte bei verschiedenen Gemeinschaftsprojekten mitmachen und spannende Bücher testlesen. Ich traute mich vor die Kamera, erst mit Fotos und dann sogar mit Reels aus meiner Schreibküche.
Nicht immer war es eine tolle Zeit. Als mein Instagram-Account unter ungeklärten Umständen gesperrt wurde, kämpfte ich gefühlt ewig darum, ihn zurückzubekommen. Irgendwann musste ich einsehen, dass das nicht passieren würde. Da dachte ich ernsthaft ans Aufgeben. Aber all die tollen Bloggerinnen und Autorinnen, die ich dort kennengelernt hatte, wollte ich nicht mehr missen. Also kam ich zurück.
Doch vor allem passierte etwas Spannendes in diesen sieben Jahren. Wenn mich jemand nach meinem Beruf fragte, erzählte ich nicht mehr zuerst vom Ecobookstore, sondern sagte:
Ich bin Autorin.
Okay, okay, natürlich auch deshalb, weil inzwischen einige meiner Bücher in meinem Schrank standen. Ein bisschen aber auch, weil das mit dem Online-Buchladen immer umständlich zu erklären ist. Vor allem jedoch, weil ich insgeheim dachte: Wenn ich das nur oft genug sage,
glaube ich es irgendwann auch selbst.
Ihr seht schon, der Beweis stand noch aus. Denn was machen »richtige« Autorinnen? Sie leben natürlich von ihren Büchern, sind ständig in den sozialen Medien präsent, gehen auf Buchmessen, halten Lesungen und verkaufen jede Menge Bücher.
Nicht, dass ich all das bewusst gedacht hätte. Das ist eher das Ergebnis wochenlanger mentaler Aufräumarbeiten. Das Unterbewusstsein ist halt manchmal ein Arsch. Aber irgendwo hatte sich bei mir offenbar die Vorstellung festgesetzt:
So ganz bin ich noch keine Autorin. Du musst dir mehr Mühe geben. Wer sich Mühe gibt, kann alles schaffen, was er will.
Klingt erst einmal gar nicht schlecht. Hat nur einen Haken: Wenn es nicht klappt, hast du dich offenbar nicht genug bemüht.
Also mehr Marketing. Mehr Social Media. Mehr Sichtbarkeit. Schließlich war ich überzeugt: Wenn niemand meine Bücher liest, dann nicht, weil sie Mist sind, sondern weil noch nicht genug Menschen wissen, dass es sie gibt. Nur: Wann wäre es eigentlich genug gewesen? Bei 500 Bewertungen? 1000? 2000? Wann hätte ich endlich geglaubt: Ich bin Autorin. Punkt.
Keine Ahnung.
Ich wusste nur, dass ich mir irgendwann kaum noch mehr Mühe geben konnte. Wenn ich nicht morgens um sechs aufstand, fand ich kaum noch Zeit zum Schreiben. Schließlich gab es neben dem ganzen Autorinnensein auch noch Arbeit, Beziehung, Familie, Haushalt, Hobbys und Leben.
Und ein Tag hat eben nur 24 Stunden.
Und nun … das verflixte siebte Jahr. Ende letzten Jahres hatte ich mich noch riesig über das Geschenk meines Partners gefreut: einen Besuch auf der Leipziger Buchmesse. Anfang des Jahres wurde mir dann klar, dass der Heiratsschwindler nicht rechtzeitig dafür fertig werden würde.
Wofür ich das Buch dort überhaupt brauchte, obwohl ich nur als Besucherin hinging? Na, um es in die Kamera zu halten!
Kein Beinbruch, dass das nicht geklappt hat. Trotzdem war ich traurig. Und als der Heiratsschwindler dann auch noch deutlich schlechter lief als sein Vorgänger Traumjob, half das meiner Motivation nicht gerade. Trotzdem wollte ich unbedingt an meinem Plan festhalten und noch dieses Jahr meinen Thriller veröffentlichen. Ich schrieb eifrig. Und schrieb … und schrieb plötzlich gar nichts mehr.
Auch keine Social-Media-Posts. Nicht mal Kommentare. Nicht, weil mir die Menschen hinter all diesen Accounts plötzlich egal wären – im Gegenteil. Mir fehlte nur die Energie, wirklich da zu sein, statt irgendwie nebenher präsent zu wirken.
Stattdessen sortierte ich meinen Kleiderschrank nach der Marie-Kondo-Methode, bevor ich mir die Gewürzschublade vornahm. Kein Mensch auf der Welt hat so tolle selbst gestaltete Gewürzgläser wie wir! Aber gestalten Autorinnen Gewürzgläser und falten ihre T-Shirts nach einem japanischen Prinzip? Keine Ahnung, ehrlich nicht. Aber ich denke, sie schreiben Bücher.
Genau das wollte ich ja eigentlich auch. Nur je öfter ich den Thriller öffnete, desto weniger wusste ich, wie ich weitermachen sollte. Die Geschichte spukt schon so lange in meinem Kopf herum. Warum wollte sie ausgerechnet jetzt nicht raus? Und dann passierte etwas ziemlich Unpraktisches: Statt des Thrillers kam eine andere Geschichte. Und gleich noch eine.
Schreib ich halt das, bevor ich noch unsere Tupperdosen nach Farbe und Größe sortiere …
Kommt euch das bekannt vor? War es mit Tosh nicht genau so? Und was ist aus dem Buch geworden, das ich damals statt Tosh schreiben wollte? Nun, es hängt unfertig auf meinem Laptop herum und wird das wahrscheinlich auch bis in alle Ewigkeit tun.
Die Chancen stehen also gut, dass keines der drei Bücher jemals fertig wird.
Könnte das Absicht sein? Schreibe ich drei Bücher gleichzeitig, damit keines davon fertig wird und ich mich gar nicht erst mit der Vermarktung beschäftigen muss?
Möglich. Aber ich schreibe wieder. Ohne Veröffentlichungsplan. Ohne Druck. Und wenn ich nicht schreibe, denke ich ein wenig darüber nach, wie mein Leben zukünftig aussehen soll. Als Autorin. Als Mensch.
Kein Happy End also im Augenblick. Eher ein Fragezeichen.
Vielleicht wird es auf Instagram stiller. Vielleicht nicht.
Vielleicht kommen wieder regelmäßig Videos. Vielleicht nicht.
Vielleicht schreibe ich bald wieder ein Buch nach dem anderen. Vielleicht weiterhin drei gleichzeitig.
Vielleicht wird der Thriller nächstes Jahr fertig. Vielleicht drängelt sich wieder irgendetwas dazwischen.
Aber eines weiß ich inzwischen ziemlich sicher: Die Geschichten und das Schreiben sollen wieder mehr Raum in meinem Leben bekommen. Alles andere ist auch schön … aber manchmal eben ganz schön viel.
Ganz schön viele Worte, nur um euch zu sagen: Rechnen kann ich durchaus. Nur mit mir selbst bin ich in letzter Zeit nicht immer besonders gut umgegangen.
Danke, dass du bis hierher gelesen hast. Und vielleicht auch dafür, dass du auf mein nächstes Buch wartest … oder auf die nächsten drei. 😉
Alles Liebe ❤️ Eva Lu